Posts Tagged ‘Frühe Neuzeit’

Forum jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit

Freitag, September 2nd, 2022

Soziale Differenzierung jüdischer Lebenswelten. Zugehörigkeit, Hierarchie und Mobilität

Call for Papers zur 23. Arbeitstagung, Stuttgart, 17.–19. Februar 2022

Bewerbungsschluss: 15. Oktober 2022

Narrative jüdischer Geschichte, gerade der Frühen Neuzeit, lassen die jüdische Bevölkerung oft zu einer homogenen sozialen Einheit verschmelzen. Gegenüber den jüdischen Gemeinden hebt sich höchstens die Gruppe der ‚Hofjuden‘ ab, die wiederum häufig als einheitliche wohlhabende Gruppe dargestellt wird. Am anderen Ende des sozialen Spektrums erscheinen auch die ‚Betteljuden‘ als differente Gruppe. Doch einige wenige ältere und nun auch neuere Arbeiten haben deutlich den hohen Grad sozialer Differenzierung innerhalb der jüdischen Gesellschaft in Europa herausgearbeitet. Gemeindezugehörigkeit oder deren Fehlen sowie geographische Herkunft spielten dabei eine ebenso zentrale Rolle wie das Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu bestimmten beruflichen Gruppen wie Gelehrten, Gemeindebediensteten und Bediensteten in privaten Haushalten. Auch wenn sich die Schichtung der jüdischen Bevölkerung von der der christlichen Ständegesellschaft unterschied, war sie doch keineswegs sozial homogen.

Unsere Tagung möchte sich daher näher mit den sozialen Differenzierungen und ihren intersektionalen Verknüpfungen innerhalb der jüdischen Gesellschaft im Europa der Frühen Neuzeit auseinandersetzen. Dabei sollen vier thematische Zugänge im Mittelpunkt stehen.

  1. Welche Rolle spielten soziale Unterschiede in den jüdischen Gemeinden? Über welche Faktoren wurden Gleichheit und Ungleichheit definiert? Wie wurde Identität entlang sozialer Differenz hergestellt und welche anderen Kategorien waren dabei von Bedetung? Wie waren andere Kategorien relational mit sozialen Differenzen verbunden? Wie wurden solche Differenzen später in der Historiographie (re)konstruriert?
  2. Dabei spielte, so der zweite Schwerpunkt der Tagung, vor allem die Gemeindezugehörigkeit eine wichtige Rolle. Fehlte ein Niederlassungsrecht in einer jüdischen Gemeinde, gestaltete sich die soziale Position von armen Jüdinnen und Juden noch deutlich prekärer. Auf der Tagung sollen hier vor allem soziale Kategorisierungen jenseits christlicher Ständeeinteilungen in den Blick genommen werden, auch wenn sie in einer christlichen Mehrheitsgesellschaft ausgehandelt wurden. Welche Rolle spielten ökonomische Macht, Familienzugehörigkeit oder Gelehrtheit? Innerhalb dieser Kategorisierungen sollen vor allem die Unterschicht(en) der jüdischen Gesellschaft in den Blick genommen werden.
  3. Daran anschließend spielte die Ausformung von Wohltätigkeit eine zentrale Rolle in den jüdischen Gemeinden. Diese musste nicht nur auf eine in der Frühen Neuzeit zunehmende Zahl an armen Jüdinnen und Juden reagieren, sondern auch auf die christliche Wahrnehmung jüdischer Armut und den Versuch christlicher Obrigkeit, jüdische wie christliche Armut zu verwalten.
  4. Diese genannten sozialen Differenzierungen wurden in der Literatur fiktionalisiert und überregional verbreitet. Jüdische Literatur der Frühen Neuzeit spiegelt nicht nur bestehende Auffassungen wider, sondern eröffnet durch die Literarisierung soziale Differenzierungen jenseits realer Restriktionen. Durch literarische Adaption wurden christliche Konzepte der Differenzierung verhandelt und ihre Narrative fanden Eingang in den jüdischen Kanon. 

Wir laden alle zum Thema Forschenden ein, sich mit Beiträgen von maximal 20-25 min. an der Tagung des „Forums“ zu beteiligen. Dies können Werkstattberichte aus laufenden Projekten und Promotionsprojekten sein.

Das seit 2000 bestehende “Interdisziplinäre Forum Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit” dient dem Austausch von Historiker:innen, Judaist:innen und allen, die sich wissenschaftlich mit Aspekten jüdischer Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert beschäftigen.

Die Arbeitstagung findet von Freitagabend bis Sonntagmittag, 17.-19. Februar 2023, in Kooperation mit dem Referat Geschichte der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungszentrum Hohenheim statt.

Wie bei Arbeitskreisen üblich, tragen die Teilnehmenden, auch Referent:innen, ihre Kosten selbst. In Einzelfällen ist ein Zuschuss durch die Akademie oder die Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden e.V. möglich.

Themenvorschläge in Form von Abstracts (max. 500 Worte) mit einer Kurzbiographie (max. 100 Worte) werden bis zum 15.10.2022 erbeten. Bitte senden Sie Ihre Vorschläge an cornelia.aust@uni-bielefeld.de.

Konzeption und Organisation:

Dr. Cornelia Aust, Universität Bielefeld, SFB 1288 „Praktiken des Vergleichens“
Dr. Paola Ferruta, IHTP, Paris-Aubervilliers
Rabbinerin Prof. Dr. Birgit Klein, Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg
Dr. Rotraud Ries, Herford
Anna Rogel, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Juden und Krieg in der Frühen Neuzeit

Mittwoch, Juli 20th, 2022

Forschungen zur Geschichte der Juden A33 erschienen

Die zahlreichen Kriege der Frühen Neuzeit – Kabinettskriege europäischer Fürsten, langjährige Erbfolge- und Religionskriege, Aufstände und nicht zuletzt das Aufeinanderprallen christlicher und islamischer Mächte – hinterließen auch in der jüdischen Geschichte tiefe Spuren. Die Tagung „Juden und Krieg in der Frühen Neuzeit: Akteure, Erfahrungen, Strukturwandel“, die vom 14. Bis 15. Februar 2019 in Wien stattfand, befasste sich deshalb mit den vielfältigen Auswirkungen kriegerischer Ereignisse auf das Leben von Jüdinnen und Juden im frühneuzeitlichen Mitteleuropa. Der daraus hervorgegangene Tagungsband behandelt anhand aktueller Forschungen und auf breiter Quellenbasis unterschiedliche Aspekte jüdischer Siedlungsgeschichte sowie Migration und Wirtschaftstätigkeit und diskutiert nicht zuletzt auch intensiv die Frage nach dem unmittelbaren Kriegsdienst jüdischer Männer.

Mit Beiträgen von Reinhard Buchberger, Marie Buňatová, Martha Keil, Monika Müller, András Oross, Peter Rauscher, Michaela Schmölz-Häberlein, Martin Schröder, Marion Schulte, Michael K. Silber, Sabine Ullmann und Carsten Wilke.

ISBN 978-3-447-11857-6. – XII, 286 Seiten, 16 Abb., 2 Grafiken. – 58 €.

Forum 2022 – jetzt doch online

Freitag, Januar 14th, 2022

Aus den bekannten Gründen muss nun auch die diesjährige Arbeitstagung des Interdisziplinären Forums „Jüdische Geschichte in der Frühen Neuzeit“ (5.–6. Februar) in den virtuellen Raum verlegt werden. Sie wird per Zoom stattfinden.

Das aktualisierte Programm finden Sie unter https://www.akademie-rs.de/vakt_24157. Vielleicht eröffnet Ihnen die Online-Durchführung erst die Möglichkeit zur Teilnahme. Sollten Sie sich schon angemeldet haben, müssen Sie nichts weiter tun. Alle anderen werden gebeten, sich noch unter https://www.akademie-rs.de/vanm_24157 anzumelden. Die Teilnahmegebühr beträgt € 20.

CC

Forum 2022 – Call for Papers

Freitag, September 17th, 2021

Die 22. Arbeitstagung des »Interdisziplinären Forums jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit« widmet sich der jüdischen Familie. Die Wahl fiel damit auf ein zentrales Thema, ermöglicht doch die soziale Institution Familie Anknüpfungspunkte an nahezu alle Bereichen der Gesellschaft. Die Tagung soll sich den kulturspezifischen Besonderheiten der jüdischen Familie hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Stellung auseinandersetzen. Weitere mögliche Themenschwerpunkte ergeben sich aus Fragen zur äußeren Gestalt von Familien (Haushaltsstruktur, Demographie, Verknüpfungen).

Wir laden alle zum Thema Forschenden ein, sich mit Beiträgen von maximal 20-25 min. an der Tagung des „Forums“ zu beteiligen. Dies können Werkstattberichte aus laufenden Projekten und Promotions­vorhaben sein. Vorschläge werden bis zum 25. Oktober 2021 erbeten. Die Arbeitstagung findet von Freitagabend bis Sonntagmittag, 4.-6. Februar 2022, in Kooperation mit dem Referat Geschichte der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungs­zentrum Hohenheim statt. Es gelten Corona-Schutzmaßnahmen.

Einen ausführlichen Call for Papers finden Sie hier.

CC

Digitale Karte zu den jüdischen Siedlungen in Bayern 1500–1820

Freitag, Dezember 11th, 2020

Die Geschichte Bayerns ist durch die Präsenz zahlreicher jüdischer Gemeinden geprägt. Jüdinnen und Juden waren auf dem Gebiet des späteren Bundeslandes Teil der Entwicklung der Städte des Mittelalters, hatten ihren Platz als sogenannte Schutzjuden in den vielfältigen Herrschaftsstrukturen der Frühen Neuzeit und nahmen Anteil an der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung des modernen Bayerns. Die erhaltenen jüdischen Friedhöfe, Synagogen, Wohngebäude und Kulturgüter zeugen von ihrem Einfluss auf die Landschaft, Gesellschaft und Kultur des Landes.

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